Besseresserwissen Baobab

Baobab - Der afrikanische Zauberbaum

Afrika Elefanten in der Steppe

Der Baobab ist ein Gigant. Das auch als Afrikanischer Affenbrotbaum, botanisch Adansonia digitata bezeichnete Malvengewächs ist einer der bekanntesten Bäume des Kontinents - und das wohl eindrucksvollste Symbol der Savanne.

Beheimatet ist der Baobab, der Bestandteil des senegalesischen Staatswappens ist, außer in den tropischen Gebieten Afrikas auch auf den Komoren und in Madagaskar. Sein Name leitet sich aus dem arabischen Begriff "bu hibab" ab und bedeutet „Frucht mit vielen Samen“.

Der markante Baum kann bis zu 30 Meter hoch werden, die Äste mit dem fein ziselierten Blattwerk bilden ein Dach mit oft mehr als 20 Meter Durchmesser. Der extrem dicke Stamm besteht aus schwammartigen Fasern, die viel Wasser speichern und den Affenbrotbaum problemlos über eine längere Trockenzeit am Leben erhalten. Auch Mensch und Tier nutzen diesen natürlichen Wasserspeicher. Viele Dörfer in Afrika haben einen Baobab in der Nähe, in dessen ausgehöhlten Stamm kleine Zisternen angelegt sind. Grosstieren wie Elefanten dient der Affenbrotbaum als Wasserquelle: Mit ihren Stosszähnen brechen sie die Rinde auf und holen die Feuchtigkeit heraus.

Im Alter von 20 Jahren beginnt der Baum zum ersten Mal zu blühen. Unabhängig von den Witterungsbedingungen blüht er während des gesamten Jahres. Die runden bis ovalen Früchte des Baumes entwickeln sich circa fünf bis sechs Monate nach der Blüte. Sie werden bis zu 40 Zentimeter lang und besitzen eine harte hölzerne Schale, die von grünen und gelben Härchen bedeckt ist. Im Inneren der Frucht befinden sich die vielen Samen, denen das Gewächs seinen klangvollen Namen verdankt. Die Samen liegen in einem pulvrigen weißen Fruchtfleisch.

Baobab Frucht und Fruchtfleisch

Das seit Neuestem auch im Westen so begehrte Fruchtpulver entsteht auf völlig natürliche Weise. Denn die Früchte werden nicht gesondert für die Herstellung be- und verarbeitet, sondern trocknen nach dem Heranreifen von selber noch am Baum hängend aus, während der Baum das Wasser in seinem Stamm speichert. Erst, wenn die Früchte ausgetrocknet sind, beginnt die Ernte: Das Fruchtfleisch wird von Samen und Fasern getrennt und gesiebt, es entsteht ein hochkonzentrierte Extrakt.

Eben weil die Früchte für die Herstellung des Pulvers nicht erhitzt werden, haben ihre Vital- und Nährstoffe Rohkostqualität. Nahezu alle Inhaltsstoffe der Frucht bleiben bei der Trocknung am Baum und bei der Weiterverarbeitung zu Pulver erhalten. Außerdem ist das vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreiches Fruchtpulver dadurch lange haltbar.

Seit Jahrhunderten wird der Baobab als Wohnsitz von Göttern und Geistern verehrt und ist fester Bestandteil der afrikanischen Mythologie. Unzählige Märchen und Legenden handeln von dem magischen Zauber- oder Apothekerbaum. Eine erzählt, dass ein Teufel den Laubbaum verkehrt herum in die Erde gepflanzt hat. Das erklärt, warum seine unbelaubte Krone an ein vielfach verzweigtes Wurzelgeflecht erinnert. Eine andere berichtet davon, dass der Baobab der schönste aller Bäume sein wollte, um die Götter zu beeindrucken. Als ihm das nicht gelingen konnte, versteckte er sich verschämt in der Erde und reckte seine Wurzeln in den Himmel.

Geschätzt werden vor allem die heilenden Eigenschaften des Baumes. Afrikaner berichten, dass es rund um einen Baobab-Baum zu weniger Infektionskrankheiten und Epidemien kommt. Oft zieht ein ganzes Dorf um, wenn ein Baobab stirbt, um sich auf die Suche nach einem neuen Lebensbaum zu begeben.

Baobabpulver

Tatsächlich findet in der afrikanischen Volksmedizin nahezu jeder Teil des Affenbrotbaums Verwendung: Früchte, Fruchtpulver, Samen und Blätter des Baobabs sollen bei Infektionskrankheiten wie Malaria und Pocken, bei Asthma, Fieber, Zahnschmerzen sowie Durchfällen und Entzündungen des Magen-Darm-Traktes helfen. Zudem sind die Samen der Baobab-Frucht beliebtes Arzneimittel zur Stärkung des Herzens und der Leber. Aber auch Blüten, Rindenstücke und Wurzeln werden heilende Kräfte zugeschrieben. Baobab-Blütenessenzen sollen beispielsweise bei Arthrose und Arthritis helfen.

Auch als Nahrungsmittel wird der Affenbrotbaum vielfältig verwendet. Die Früchte werden zu einem säuerlichen Saft verarbeitet, zu Bier vergoren und als Grundlage der Bonbonherstellung verwendet. In getrockneten Zustand sind sie ein viel genutztes Dickungsmittel. Die Blätter werden als Gemüse geschätzt und bilden die Grundlage der nigerianischen Nationalspeise Kuka, die mit einer Spinatsuppe zu vergleichen ist. Von den gehaltvollen Früchten ernähren sich auch Paviane und andere Tiere.

Der Baum liefert darüber hinaus Material für Kleidung, zum Dachdecken, Halsschmuck, Schnüre und Seile, Netze, Matten, Hüte, Tabletts, Kisten, Körbe und Papier. Verwendet werden dafür die Fasern des inneren Bastes, die sehr dauerhaft und kräftig sind. Sie werden gewonnen, indem die Rinde der Bäume abgeschält wird. Ähnlich wie bei Korkeichen regeneriert sich die Rinde wieder, so dass die Bäume wiederholt als Bastlieferant genutzt werden können. Aus den Wurzeln wird ein roter Farbstoff gewonnen, der, vermischt mit Wasser einen Klebstoff ergibt.Aufgrund des hohen Pottascheanteils wird aus der Asche verschiedener Baumteile außerdem Seife hergestellt.

Und noch einen Superlativ hat der Affenbrotbaum zu bieten: Ein Baobab kann bis zu 3000 Jahre alt werden und wird wegen der Möglichkeit eines solch biblischen Alters auch als Baum des Lebens bezeichnet.

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